GPL-Debatte: Sieg durch technischen K.O.

Im ersten Artikel zur GPL-Debatte innerhalb der WordPress-Community hatte ich offen mit einem Gegenschlag von Theme-Entwickler Chris Pearson gerechnet. Doch bei ihm herrscht Totenstille. In der zwischen Zeit haben die meisten Automattic-Mitarbeiter die Propaganda von Matt Mullenweg fertig verbloggt, aber der Eintrag von Chefentwickler Mark Jaquith hat es ihn sich. Der Ringrichter hat so eben technisches K.O. erklärt…

Kurzer Rückblick: Dank einer Sicherheitslücke im Server wurde beim Download des kostenpflichtigen WordPress-Themes „Thesis“ Schadcode mitgeliefert. WordPress-Chef Matt Mullenweg nutzte die Gelegenheit um den Feldzug gegen das Theme und seinen Entwickler, Chris Pearson, wiederzubeleben, denn Thesis wird entgegen Mullenwegs Vorstellung nicht unter der GPL, so wie WordPress, lizenziert. Das war schon Knackpunkt verschiedener Auseinandersetzungen bisher.

Zwar hatten sich beide Parteien, Mullenweg und Pearson, im gemeinsamen Telefon-Interview nicht mit Ruhm bekleckert, aber Mullenweg hat einen Ass im Ärmel: Eine Armee von Automattic-Mitarbeitern, die dem Chef von Lippen lesen und so wurde Wild gebloggt. Ein unbeteilerter Symbatisant Mullenweg liefert dazu den passenden Stoff: Pearson (bzw. sein Mitarbeiter wie er nun „gestand“) hatte großzügig WordPress-Code ins Theme kopiert. Eine Todsünde wie sie im Buche steht.

Chefentwickler Mark Jaquith erklärte zudem in seinem Blog detailreich und technisch wieso das Theme seiner Meinung nach ein Derivat von WordPress ist und somit GPL-lizenziert sein muss. Aber das reichte Matt Mullenweg noch nicht und lies Jaquith in den Kommentaren groß verkünden (Anm.: freie Übersetzung der Redaktion):

Thesis ist voller Sicherheitslücken, aber da ich dem Arsch nicht helfen werde, sage ich euch nicht wo sie sind: Pech gehabt!

Bisher hat sich Chris Pearson noch nicht zu Wort gemeldet. Seine letzte Ansage „Verklagt mich doch“ könnte nun brandgefährlich werden. Er hat zur Zeit zwei Optionen: Thesis unter GPL stellen oder das Risiko eines Rechtsstreits eingehen. Diesmal lässt Mullenweg nicht locker, wie bei den letzten Malen. Stellt das Popcorn kalt und das Bier in die Mikrowelle, Runde 3 kommt bestimmt…

6 Reaktionen

  1. Ich bin auf der Seite von Automattic. Ohne kostenloses WordPress kein kostenpflichtiges Theme. Man könnte das auch als Patasitentum bezeichnen.

  2. „Thesis ist voller Sicherheitslücken, aber da ich dem Arsch nicht helfen werde, sage ich euch nicht wo sie sind: Pech gehabt!“

    Die Aussage qualifiziert denjenigen ebenso, den A-Titel zu tragen. Auf wessen Rücken soll die Debatte ausgetragen werden? Auf dem des Users?

    Ich hoffe ja, dass beide Parteien sich einigen werden. Glaube ich zwar nicht dran, aber schön wär’s.

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