Die Bahn ist kein Billigflieger

Ab April fährt auf Frankreichs Schienen der »TGV Ouigo« und man muss schon dreimal schauen, dass das wirklich ein Zug und kein Billigflieger ist, wenn man liest was geplant ist:

Die Tickets kosten je nach Nachfrage zwischen EUR 10 und EUR 85 und können ausschliesslich online und bis spätestens vier Stunden vor Abfahrt gekauft werden. Die Fahrkarten werden vor der Abfahrt kontrolliert, d.h. die Ouigo-Fahrgäste werden sich 30 Minuten vor Abfahrt am Bahnhof einfinden müssen. Zudem wird nur ein Gepäckstück sowie ein Handgepäck pro Fahrgast kostenlos transportiert – weitere Gepäckstücke sowie Fahrräder können gegen einen Aufpreis mitgenommen werden.

Vielleicht bin ja ein Romantiker, der vom Traum vom Besitz einer BahnCard 100 verblendet ist, aber gerade Flexibilität der Bahn ist es, was dieses Verkehrsmittel so reizvoll macht. Hab ich Bock nach Berlin zu fahren? Ab zum Bahnhof in den stündlich verkehrenden ICE eingestiegen und ich bin (relativ) schnell da. Vor allem bequem. Die Eisenbahn ist Demokratie pur. Jede*r ist gleich. Alle haben die selben Tausend PS unter’m Arsch. Gemeinsam oder gar nicht. Die Bahn ist auch ein Lebensgefühl. Ich mag das.

Natürlich verstehe ich, wenn Leute sagen, dass die Bahn zu teuer ist und sich gerade in Gruppen gar nicht lohnt. Da muss was passieren. Bahnfahren muss für jede*n erschwinglich bleiben. Und dass der »TGV Ouigo« eher für Gelegenheitsfahrer*innen ist, geschenkt, aber es trotzdem der falsche Weg aus der Bahn einen Billigflieger zu machen.

Macht stattdessen Sparpreise und Angebote oder besorgt den politischen Willen den Zug preiswert zu machen, aber Billigzüge, die nur in der Pampa halten, keine Priorität auf der Schiene haben und selbst Legehennen mehr Beinfreiheit zugestanden wird, einzuführen, quasi aus dem Personentransport ein Viehtransport zu machen, nichts anderes ist der »TGV Ouigo«, widerspricht dem Geist der demokratischen Bahn. Eine Bahn wo jede*r die selbe maximal mögliche Flexibilität hat.

Eine Reaktion

  1. Gelesen. Grundsätzlich gut gefunden. Und dann fiel mir bei der nächsten Zugfahrt wieder ein, dass eben nicht alle „die selben Tausend PS unter’m Arsch“ haben. Wie leiste ich mir denn schließlich den ICE, wenn ich nicht irgendwo Erstattungsansprüche habe? Eben, leider gar nicht.

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