Museumsgleis 24

Links 2 3 4

Ich höre »linke Musik«. Hab das eine oder andere linke Shirt im Schrank. War mal auf einer Demo. Finde Feminismus ganz toll, Sexismus und Faschismus eher nicht so. Setze und spreche artig Sternchen, um alle einzubinden.

Die Sache mit dem »Kommunismus« oder »Sozialismus« oder »Anarchismus« oder »Syndikalismus« verstehe ich nicht. Und der »Kapitalismus« fühlt sich auch nicht so falsch an, aus meiner Warte zu mindestens. Bin in einer Partei und viel schlimmer, kann mich nicht von dieser lösen, deren Selbstausrufung eine »linken Volkspartei« zu sein eher Häme provoziert.

Links sein fühlt sich cooler an als Rechts sein.

Nur: Bin ich links, weil ich mir ein wenig linke Subkultur einverleibt habe? Ist es links sich ständig auf einer ironischen Metaebene zu bewegen, herzlich den Gag der Judäischen Volksfront / Volksfront von Judäa in allen Variationen zu zelebrieren, um nicht nachdenken zu müssen? Es fühlt sich für mich falsch an sich links zu nennen, wenn eins »Das Kapital« bei Amazon bestellt und nach wenigen Monaten bei Amazon wieder verkauft hat.

Mir das alles viel zu kompliziert.

Meine Solidarität mit linken Zusammenhängen fühlt sich vergiftet an. Von jemanden, der politisch eher verwaltet und dessen Vision nicht mehr als die Tagesordnung für die nächste Sitzung ist.

Links als Label damit man sich besser fühlt. Hilfreich hört sich das nicht an.

2014

2014. Vorhersagen, Prophezeiungen, Vorsätze sowie Ankündigungen.

  • Mehr Popkultur wagen. Bücher, Filme, Serien. Nicht cool der Einzige auf einer Party zu sein, der mal wieder nicht mitreden kann. Und den Hinweis auf deine Liste der Schande kannst du ja auch nur einmal bringen.
  • Noch mehr auf der Arbeit rocken. Ich hatte Angst es nicht durchzuhalten, aber es klappt wunderbar. Soll so weiter gehen. Wird es. Mehr Technologie wagen. 2013 die Konsole wiederentdeckt. Top Frontend. Gerne wieder.
  • Weniger Politik. Ich weiß, sag ich immer. Klappt diesmal ganz sicher. Ich wiederhole: Ganz sicher. Gebe mein Ehrenwort.
  • Den dunklen Begleiter wegflauschen. Oder so. Irgendwie gute Laune dagegen halten. Bis es wehtut.
  • Herzensmenschen finden. Bezugsgruppe suchen. Dazugehören. Einfach dazugehören.
  • Berlin lieben lernen. Die Stadt kann ja nichts dafür.
  • Außenhülle dem eigenen Schönheitsideal anpassen. Besser fühlen.
  • Hochzeiten! Noch mehr Hochzeiten, auf den eins tanzt! Politwettbüro, radiodrop.io, bahnhelden, Fahrgastblog. Nicht nicht jetzt, wann dann? Mitstreiter_innen gewinnen. Einzelkampf ist vorbei. Die Gemeinschaft suchen. Mehr Open Source wagen. Gegen Busfaktor und Verbrennung kämpfen.
  • Eine Programmreform. 2 Jahre anyca.st. Ich glaube, dass Format braucht eine Neuordnung. Mehr Politik, weniger Bahn. Vielleicht an anderer Stellen. Mehr Feedback einfordern. Mehr Podcasten? Joa.
  • Mal trauen in einen Club zu gehen.
  • Alles über den Haufen werfen.
  • Zu guter Letzt: Irgendwie durchhalten.

Vermutlich habe ich einige Dinge vergessen oder unterschlagen, das Meiste ergibt es eh durch Zufall und es kommt nie, wie es geplant war. Aber schön wär’s.

Zweiundzwanzig

Ich werde heute 22 Jahre alt. Und wenn ich könnte, würde ich diesen Tag gerne vergessen machen. Keine Geburtstagsgrüße, keine Anrufe, keine Geschenke. Nichts was mich an daran erinnert, dass wieder ein Jahr in diesem nutzlosen Leben vorbei ist und ein neues, nutzloses Lebensjahr begingt.

Das Jahr 2013 ist zwar noch nicht zu Ende, aber es lässt eigentlich gut sagen: Nichts erreicht. Nichts wofür die Geburtstagsgrüße, Anrufe oder Geschenke verdient gewesen wären.

Mir bleibt einzig die Hoffnung, dass aus der Zweiundzwanzig keine Dreiundzwanzig wird.

ANY035 – Am Boden

Schon leicht abgestandene, aber immer noch gute Folge 25 vom anyca.st ist da. Direkt aus Berlin, aus meiner neuen Wohnung, vom Boden aus. Mit Heimat, Recht, Bahn und Moral. Und Bundesliga. Hören ist empfohlen.

Berlin

Seit 10 Tagen lebe ich schon Berlin. Friedrichshain ganz genau. 52m², großes Bad, dafür noch mit leerer Küche und keinem Bett. Meine Füße sind kurz vor’m abfallen. Ich möchte Möbelhäuser und Baumärkte für die nächste Zeit nicht mehr von innen sehen. Und als Begrüßungsgeschenk hat mir das Berliner Einwohnermeldeamt auch noch meinen Personalausweis eingezogen. Es ist schön hier.

Morgen ist mein erster Arbeitstag bei ressourcenmangel. In meinem Arbeitsvertrag steht »Junior Developer«. Mich wird viel erwarten, z.B. Typo3 und Ruby. Auch viele noch unbekannte Dinge. Und ein Mac. Als eingefleischter Windows-Nutzer eine interessante Herausforderung. Aber mehr als der Mac plagt mich die Sorge, die ganzen Erwartungen, die an mich gestellt werden, nicht erfüllen können. Mal schauen wie es laufen wird.

Berlin ist für mich was Besonderes. Ich weiß nicht ob ich diese Stadt hassen oder lieben soll. Es auch Hauptstadt für die digitale Elite und das digitale Moloch. In dieser luft- und blickdichten Filterbubble wollte ich nie sein und doch fallen ich in sie immer tiefer. Anderseits die Möglichkeiten die diese Stadt bietet. Die vielen nette Leute und Freunde, die hier (mittlerweile) leben. Und der ÖPNV.

Vielleicht ist diese Stadt wirklich das Beste für mich, wie viele sagen. Die beste Stadt für jemanden, der innerlich einen einzigen Konflikt austrägt. Keine Ahnung. Mal schauen. Erstmal bin ich hier angekommen. In Berlin.

Glashäuser sind kein sozialer Wohnungsbau

Wir stecken gerade in einer handfesten Krise unseres demokratischen Rechtsstaates. Wir erleben wie unsere Verbündeten unsere digitale Kommunikation systematisch überwachen und auswerten. Wir erleben, dass unsere Geheimdienste dabei kräftig mit partizipiert haben. Und wir erleben wie unsere Bundesregierung da sitzt, wissend oder unwissend mit den Schultern zuckt und nichts tut.

Wir sind im Wahlkampf. Dementsprechend fallen auch die Reaktionen aus der Opposition aus, vor allem aus der SPD. Ob vom “schwerst möglichen Versagen” oder Bruch des Amtseids gesprochen wird, die Worte, die fallen, wiegen schwer. Und sie werden aus einer Position gesprochen, die mir Bauchschmerzen bereitet. Denn beim Ausmaß dieses Skandals müssen wir davon ausgehen, dass die SPD ihre Hände in dieser Suppe mitgebadet hat.

Es geht auch nicht darum, ob Genossinnen und Genossen am Schalter saßen, die Aufträge unterschrieben oder von den Ergebnissen profitiert haben. Wir als SPD haben das Klima geschaffen, in der Freiheitswerte einer brustalst möglichen »Sicherheit« unterworfen wurden. Nicht Hans-Peter Friedrich hat das »Supergrundrecht Sicherheit« entworfen, es war der ehemalige SPD-Innenminister Otto Schily, der 2003 davon sprach. Und dessen Geist lebt in der SPD weiter, ob nun in Form der Vorratsdatenspeicherung, Bestandsdatenauskunft oder anderer Sicherheitsgesetze. Ein Misstrauen des Staates gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürger. So ist einer der sozialdemokratischen Grundwerte, die Freiheit, uns abhanden gekommen. Im Zweifel für die Sicherheit.

Wenn heute Thomas Oppermann, der, wenn im Herbst die Wählerinnen und Wähler einen rot-grünen Wechsel ermöglichen, neuer Innenminister werden könnte, große Töne spuckt, Aufklärung von der Bundesregierung verlangt und dabei unsere eigene Verantwortung klein redet, wenn der ehemalige Geheimdienstkoordinator Frank-Walter Steinmeier schweigt, wie die aktuelle Person in diesem Amt, wenn die SPD an der Vorratsdatenspeicherung festhält und versucht ihre bisherige Position hübsch neu zu verpacken ohne zu sie zu überdenken, wie es die CDU mit dem Begriff der Mindestspeicherfirst tut, dann sind diese Worte, die fallen, nichts wert, wenn sie nicht sogar verlogen und heuchlerisch sind.

Wir als SPD tragen Mitverantwortung für das, wie es Heribert Prantl in der Süddeutschen beschrieb, Wegziehens des Boden auf dem unser Grundgesetz ruht. Dieses Fundament von  Freiheits- und Grundwerte, auf das wir so stolz sind. Die richtige Antwort wäre jetzt zu erkennen welche Fehler wir gemacht haben und Mief von »Sicherheit über alles« über Bord zu werfen. Sich zu entschuldigen. Das wäre sozialdemokratische Haltung. Nichts anders.

P.S.: Wir kämpfen weiter und hoffen, auch im Zweifel gegen die Parteiführung, einen Beschluss gegen die Vorratsdatenspeicherung herbei zu führen. Und eins sei jetzt schon gesagt: Wir erwarten von einer rot-grünen Bundesregierung, dass Beschlüsse Bestand haben, sonst weht nicht nur von der Oppositionsbank der Wind hart.

Kaffeekränzchen bei Frau Dingens

Mina hat ihren eigenen Podcast gestartet. Ich war in der ersten Folge des »Kaffeekränzchen« zu Gast und wir sprachen über das Mitgliederbegehren zur Vorratsdatenspeicherung, zur Lage der SPD sowie über das Kompetenzteam von Peer Steinbrück. Viel Spaß beim Hören!

Lichter aus bei twitterwallr

twitterwallr ist 2009 gestartet und war meine erste Webapplikation. Wenn ich heute mir den Code anschaue, läuft es mir zwar kalt den Rücken runter, aber mit 17 Jahren war es schon was besonders, auch weil ich den Dienst seit Anfang 2008 geplant und gebaut hatte.

Jetzt ist es Zeit Abschied zu nehmen. twitterwallr geht endgültig offline, denn am 11. Juni 2013 wird die Version 1.0 der Twitter-API abgeschaltet, auf der der Dienst basiert und damit die Datengrundlage war.

Es gibt zwar einige Ideen, wie der Dienst im Jahr 2013 (immerhin gibt es zahlreiche Quellen, die auf so einer “Social-Media-Wall” vertreten sein müssten) aussehen könnte, aber sehe ich mich aktuell nicht in der Lage rechtzeitig einen Nachfolger an den Start zu bringen.

Ich danke daher für über 6300 von mehr als 5900 Benutzer*innen angelegte Twitterwalls und das Vertrauen in meinen Dienst. Es war toll!

The Film before the Film